Der große Vogelzug: Die wilde Nachhut, 2006, Acryl/Mollino, 150 x 220 cm
Es ist Dämmerung und die Menschen stehen auf den Straßen, ich bin darunter.
Die Autos sind stehen geblieben, es ist still.
Alle blicken in Richtung der herannahenden riesigen schwarzen Fahne im Himmel,
einem gewaltigen Vogelschwarm.
Mit der Annäherung wird das Rauschen der Flügel lauter.
Sie sind schließlich direkt über uns und ich blicke nach oben und sehe ...
           
Intensives und subjektives Naturerlebnis bildet die Voraussetzung für die Malerei von Angelika Vormittag. Im Zitat beschreibt sie den Inhalt ihres Gemäldes „Der große Vogelzug“ als Traumvision. Der Bezug zur Tierwelt erscheint in ihrer Malerei jedoch überaus real. Sie vermittelt suggestiv die Bewegung des Vogelzugs aus der Bildtiefe, den Flügelschlag und die Vorstellung eines plötzlichen Ereignisses, das die Normalität des Alltags abrupt unterbricht. Ebenso authentisch wie das Traummotiv im „Vogelzug“ wirkt die Aura der Unterwasserwelt in ihrem Gemälde „Seelöwen“, in dem sie auf einer Länge von 2,8 m die Schwimmbewegung eines Seelöwenpaares wiedergibt. Die malerischen Mittel sind expressiv, gestisch und von einer akzentuierten, vom Bildgegenstand weitgehend unabhängigen Farbigkeit. Merkmale ihrer Handschrift lassen sich mit der Vorstellung einer écriture feminine in Verbindung bringen, indem sie die Theorie von Expressivität als Merkmal des Maskulinen widerlegen. In ihrer engagierten Malerei erfüllt Angelika Vormittag den Bildraum, meist ein von der Zivilisation unberührtes Areal der freien Natur, mit spezifischer malerischer Sensibilität, die ebenso als feminin zu bezeichnen ist, wie sie als Plädoyer gegen die Ausbeutung der Ressourcen durch ein maskulin dominiertes Wirtschaftssystem zu verstehen ist. Die Faktur steht in unmittelbarer Relation zur Bewegung des Körpers und die Rhythmik der Gestik erhält ihren Impuls vom Charakter des oft bewegten Sujets.
Angesichts der zunehmenden medialen Präsenz von Tiersendungen und Dokumentationen, welche sämtliche Arten auch der entlegensten Alpen- und Tiefseeregionen visuell verfügbar machen, spielt das Tier auch in der Gegenwartskunst nicht zuletzt unter dem Blickwinkel der Gentechnologie eine zunehmend kritische Rolle.

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Goaßruckn, 2004
Acryl/Mollino, 150 x 160 cm
         

       
Schildkröten, 2005
Acryl/Mollino, 160 x 150 cm
  Freskokatzen, 2005
Acryl/Mollino,
170 x 130 cm
  Beim Kleinkraftwerk, 2005
Acryl/Mollino, 160 x 140 cm
  Ren, 2006
Acryl/Mollino, 145 x 160 cm
  Der Schlafwandler, 2005
Acryl/Mollino, 150 x 160 cm